Samstag, 11. November 2017

Nerven behalten dank Hildegard

Kaum Nachmittag und schon wieder dunkel... meine innere Uhr tickt nicht richtig oder hat noch Umstellungsprobleme und will mich oft schon gegen 19:00 Uhr ins Bett schicken..."Na, ist doch dunkel...da gehörst du in die Federn, bist eh müde!" 

Dabei hat das November-Dunkel doch auch sooo was entspannt Ruhiges und Gemütliches.
Letzte Woche hab ich Hildegard von Bingens "Nervenkekse" gebacken. Die 
duften und schmecken einfach göttlich! ... und nebenbei wirkt die Muskatnuss im Hirn als kleiner "Hallo-Wach-und-Wunderbar"-Zauber, daher darf man nie mehr als 3 Kekse essen, sonst wird man "zu schlau" meint die heilige Hildegard. Na, dann mach ich sie halt ein bisserl größer...  


Ich koche gern und häufig mit Hildegard Kräutern und auch sonst fließen ihre Ansichten zu Heilmitteln in meinen beruflichen und privaten Alltag. Vom November hat sie nicht allzu viel gehalten - er bringe die Schwermut des Winters ...Ich stell es mir auch nicht sonderlich warm und gemütlich in einem mittelalterlichen Kloster um diese Jahreszeit vor. 

Noch hatte ich keine Lust Plätzchen zu backen, aber ich wollte etwas warmes, duftendes und krümliges...ah, meine Hildegard-Kekse. Die helfen nicht nur wunderbar gegen Unkonzentriertheit und "Unbegabtheit" ... es sind wahre Herbst-Heiler ;)


"Nimm Muskatnuss, im gleichen Gewicht Zimt und etwas Nelken und pulverisiere das. Und dann mach mit diesem Pulver, mit Mehl und etwas Wasser Törtchen und iss diese oft, und es dämpft die Bitterkeit des Herzens und des Sinnes, es öffnet dein Herz und macht deinen Geist fröhlich, mindert alle schädlichen Stoffe in dir, verleiht deinem Blut einen guten Saft und es macht dich stark."  Hildegard v. Bingen



Hmmm, schon der rohe Teig ist soo lecker...der zählt ja wohl nicht - schließlich heißt es "Man darf nur drei Kekse und Teig ist Teig und kein Keks" ;))) 
Sie werden auch nicht "kross" gebacken - nein, sie müssen etwas sanft und weich sein, wenn man sie aus dem Ofen holt. Und dann: Finger weg und kalt werden lassen...! Am besten 2-3 Tage ruhen lassen und:  Nur kucken, nicht naschen!!
"Mr.Urban White, woher kommen die Krümel...??"   Öhhh...hmmm...!


Falls Du auch noch ein bisserl Wach, Warm und "gute Säfte" brauchst, hier das Rezept:

Teig: 
                    500g Dinkelfeinmehl Type 1050 geht auch mit Dinkelvollkornmehl

                    2 Teelöffel Weinsteinbackpulver
                    2 Eier
                    200g Rohrohrzucker (mir reichen auch 180g)
                    1/2 Teelöffel Zitronensaft oder Abrieb der Schale (geht auch ohne)
                    250g Butter
                    100g gemahlene Mandeln
                    20-40g Gewürzmischung (45% Muskat, 45% Zimt und 10% Nelke) - bei mir sind                             das je 2 Teelöffel Muskat und Zimt und knapp 1 Teelöffel Nelke - dann zeigt die Waage 30g

Alle Zutaten verkneten und den Knetteig für 1 Stunde in den Kühlschrank stellen. Jetzt entweder mit dem Nudelholz ausrollen und Plätzchen ausstechen oder Kekse "von der Rolle" schneiden. (sieht man auf dem oberen Bild)
Auf einem gefetteten Blech oder Backpapier bei 175 - 200 Grad im vorgeheizten Ofen ca. 10-12 Minuten backen. Die Plätzchen sollten noch etwas locker und feucht sein.

Und nicht vergessen: Pro Tag maximal drei Plätzchen essen, sonst wird man zu klug.
(Muskatnuss ist nicht nur Gewürz sondern hat auch eine psychotrope Wirkung ...die Menge machts ;) Daher gerade bei den Gewürzen und insbesondere bei der Muskatnuss auf Bioware achten...fürs Hirn nur das Beste ;)) Hui, hoffentlich fällt das jetzt nicht unters BtMG (Betäubungsmittelgesetz)...

Für die Finger gab es auch noch was zu tun...ich hatte endlich einige verhungert aussehende Lärchen gefunden und konnte ein paar Zweiglein sammeln...wollte doch auch so schöne Kränze haben wie die Jacqueline von Princessgreeneye Deren Kränze sind einfach traumhaft! Und ich freu mich jetzt an meinen "Strubel-Exemplaren" ;))



Aufs Foto hat es nur einer geschafft...dann war ja schon dunkel. Insgesamt sind es drei Kränze geworden: ein kleiner für eine dicke Kerze und ein "Draussen-Kranz". Freu Freu!!

So meine Lieben, ich zünd jetzt ein paar Kerzen und im Kamin das Feuerchen an und schnapp mir einen Krimi ...;)

Ich wünsche Euch ein Nerven-stärkendes Wochenende und freu mich, dass Ihr da wart auch wenn ich gerade so eine selten-schreibende Bloggerin bin...! 

Liebste Grüße
Eure








Freitag, 3. November 2017

Pilz to go...

Erstaunlich wie schnell der Herbst sein Gesicht und Gemüt ändert...von wonnig warm zu klapper kalt... heute könnte ich echt schwören, dass das Thermometer es nicht in den zweistelligen Bereich geschafft hat ;) dabei hatten das erwachsene Tochterkind und ich vor einer guten Woche einige wunderbare "Mutter-Kind-Kur"-Tage im Wald ;)
Eigentlich wollten wir durch Museen bummeln und uns an kiloweise Kuchen in kleinen Cafes versündigen, um dann eventuell mal ins Kino zu gehen...aber es kam anders...


Sobald morgens die Sonne entschied doch vorbeizuschauen, verwarfen wir alle Pläne à la "Komm wir machen Kultur..." und sprangen mit Körbchen und Messern, Brötchen und Thermoskanne bewaffnet ins Auto. Wir hörten den Ruf des Waldes... und mussten ihm folgen;)
Auf der Jagd nach Pilzen, die gerade in so unfassbarer Menge aus dem Boden schossen, gerieten wir in ein regelrechtes "Sammlers-High" ... Wir konnten unmöglich aufhören:  Hah!!! Da vorn...der aller-allerschönste Pilz  und daneben gleich noch einer...das ist meiner, geh da nicht ran...!




Ab dem ca. 3. Sammler-Tag wollten wir eigentlich nur noch in den Wald, um Deko-Material zu sammeln, für Kränze und soo ...aber nein, das Tochterkind voll im Pilz-Rausch konnte einfach nix stehen lassen und so mussten wir uns einen weiteren Tag in Folge ein Pilzgericht überlegen...


In der Küche stapelten sich bereits alle verfügbaren Bleche und Bretter mit Pilzen zum Trocknen...zum Abendessen gab es: Pilz-Pasta mit feiner Sahnesoße, italienische Knoblauch-Pilze, Pilze als rustikale Pilzpfanne...und Pilze als Brotaufstrich zum Frühstück... ich sehnte mich (fast) danach, endlich mal wieder was anderes zu essen...


Aber solch herrlich Pilze kann man doch nicht stehen lassen..oder? Zum Schluß habe ich sogar Pilze eingefroren für spätere Pilz-Risottos im Winter...

Ab dem 3. Tag habe ich dann (fast) nur noch Zweige für Kränze gesammelt und immer ganz schnell die Augen zugekniffen, wenn ich an Pilzen vorbeikam ;) Boah bitte, es heißt doch eigentlich "Pilze suchen" - davon war in unseren Wäldern nicht die Rede...wir haben eher "geerntet".


Aus den Deko-Zweigen wurde z.B. ein Haar-Kranz für Wald-Elfen ...;) Wahrscheinlich hat sie damit einen Pilzzauber ausgeübt...ich musste sie quasi gewaltsam aus dem Wald zerren: Ich: "Mach die Augen zu...wir fahren jetzt wieder schön zurück in die Stadt und gehen lecker Kuchen essen..."
Tochter-Kind: "Menno, bitttte, nur noch 5 Minuten...!!!"
Das wär doch so praktisch, wenn ich aus den Pilzen hätte Kuchen backen können...


Tja, so hatten wir also Unmengen frische Luft und Bewegung...und Pilze. Es war herrlich meditativ und erholsam...und Kultur können wir ja auch später noch machen...Obwohl, an einem Abend haben wir es ins Konzert der bezaubernden "Lola Marsh" geschafft...unglaublich wieviel Stimme in so einer zarten Person stecken kann...ich war ganz von den Socken! Mein allerliebstes Lieblingslied, falls ihr mal reinhören wollt: "You´re mine"

Jetzt, nach einer Woche ohne Pilzgericht, könnte man mal wieder in den Wald gehen..nur mal schauen ...;) Vielleicht mal ein paar Pilze sauer einlegen...das wäre sicher auch fein!


Ich bin schon gespannt, wie das Wetter am Wochenende wird...;)
Ich wünsche Euch ein entspanntes und gemütliches Wochenende und vielleicht kennt ja eine von Euch ein Back-Rezept in dem Pilze die Hauptrolle spielen...ich befürchte, mich "springen" wieder einige an, wenn ich meinen Fuß zum Sonntagspaziergang in den Wald setze...;)

Liebste Grüße
Eure






Samstag, 21. Oktober 2017

Mystisch, Meeresgrün und... Mondscheinlerchen

..all das ist Hiddensee.
Die Tagestouristen laufen (oft) daran vorbei...hasten vom Hafen an den Strand, zum Fischbrötchen-Dealer, fahren mit dem "Insel-Bus" (Pferde-Fuhrwerk) und flitzen zurück auf die Fähre...Dabei gibt es unzählige wunderschöne, verzauberte Orte, für die man etwas Muße braucht... 



Habt Ihr Lust auf einen poetischen Inselspaziergang...?
Dann mal los: Ordentlich einmummeln, die Sonne scheint aber es weht "ne steife Brise"... Lasst euch verzaubern von uralten weisen Weißdorn-Bäumen, silbrigem Licht...und im Kopf summt der olle Gerhard Hauptmann, der auch ganz verknallt in das verwunschene Eiland war und der nachts seine Gedanken an die Wand kritzelte, wenn ihn arge Schlaflosigkeit plagte... da half wohl auch sein gut bestückter Weinkeller nicht...;)


...so ist sicher auch sein Gedicht "Mondscheinlerche" auf Hiddensee entstanden....schlaflos, nachts...stetes Meeresrauschen vor dem Fenster...

Das Ferienhaus von Gerhard Hauptmann kann und sollte man besuchen - es atmet den Charme der alten Zeit, was besonders spürbar wird, wenn man abends in seinem Wohnzimmer sitzt und ein absolut umwerfendes Jazz-Konzert miterleben darf - Du meine Güte und ich dachte immer, ich mag keinen Jazz!! 
...was mögen da für wilde Partys gefeiert worden sein...früher hieß das wohl "Tanzabend" oder so... ;)


Es gibt einige kleine urige Restaurants, manche versteckt in den Dünen und wenn man dorthin findet, gibt es zur Belohnung den feinsten Fisch auf Sanddorn-Joghurt-Soße und beim Abschied gehört man fast zur Familie ... ;) Der Fisch, den ich mir NUR am Meer erlaube, stammt noch von echten Insel-Fischern und der Vater-Söhne-Restaurantbetrieb der Buhne XI ist einfach irre herzlich und man fühlt sich so wohlig-gemütlich wenn man mit wirrem Haar und roten Ohren hineingeweht wurde....das man manchmal bis "Ladenschluß" hängen bleibt ;)


Auf der Insel tickt die Zeit anders, plötzlich ist es super wichtig, dass der erste und letzte Gang des Tages dem Strand gilt (einfach mal schauen, ob es noch da ist - das Wasser...ja, ist noch da! Und der Strand, die Möwen und die Steine?... Auch noch da!) 


Über Nacht halten die Steine kleine geheime Versammlungen ab...wahrscheinlich gibt es einen Konflikt mit den Herzmuscheln...Ich habe die Stein-Familie genauso gefunden!

Vor unserer Ferienwohnung zauberte der Herbst wunderschöne Farben in den Wein...von rosa, rot bis meeresgrün...diese Herbststimmung im Oktober ist ganz besonders, da hängt die Wärme am seidenen Faden und ich freue mich über jeden Sonnenstrahl.


Lasst uns nochmal an den Strand...die Sonne steht tief - im Viertelstunden-Takt wechseln Lichtstimmungen und Farben. Um die Mittagszeit war das Meer blau und grün...langsam wird es silbergrau... 


Ich wollte eigentlich auch Sanddorn pflücken (und lerne, dass man Sanddorn "melkt") - komme aber irgendwie nicht dazu, weil ich lieber noch eine Stunde den Wellen zuschaue oder das Insel-Theater besuche oder beim Asta-Nielsen-Haus vorbeischaue oder den Segelbooten hinterherträume...es gibt soviel zu tun! 


Gut, dass man überall heißen Sanddornsaft bekommt...Fisch auf Sanddorn-Joghurt..."Sanddorn-Torte mit ganzen Früchten" oder kleine selbstgebastelte Stände vor den Häusern der Hiddenseer Mädels schon fertige Sanddornmarmelade anbieten...da hab ich mich durch alle Variationen geschlemmt ;) Und Marmelade gegen den Winter-Blues mitgenommen.

Über der Tür der alten Kirche in Kloster steht ein wunderbarer Spruch: "Was ich noch sagen wollte - wenn ich dir einen Tip geben darf - ich meine - ich bitte dich um alles in der Welt - und wider besseren Wissen - halte dich nicht schadlos - zieh den Kürzeren - lass dir etwas entgehen." (E. Zeller)



So ist das hier an vielen Ecken...man gerät ins Staunen und Nachdenken und Träumen und fällt am Abend Wind- und Sonnensatt in die Federn. Die Insel hat etwas seeehr Entspanntes...da werde selbst ich irgendwann gaaanz tiefenentspannt.


Auch wenn mir einige Einheimische dringend abraten: Ich würde irgendwann gern mal ein Jahr auf der Insel sein - einfach auch um den Winter zu erleben. "Romantische Spinnerrei..." jaaa, aber trotzdem! 


Ich wünsche Euch ein Wochenende voller Magie und Poesie
Alles Liebe, Eure




Und für alle Feingeister kommt hier noch mal das Hauptmann Gedicht in voller Länge und Schönheit:

Von dem Lager heb` ich sacht
meine müden Glieder;
eine warme Sommernacht
draußen stärkt sie wieder.

Mondschein liegt um Meer und Land
dämmerig gebreitet;
in den weißen Dünensand
Well´auf Welle gleitet.

Unaufhörlich bläst das Meer
eherne Posaunen;
Roggenfelder, segenschwer,
leise wogend raunen

Wiesenfläche, Feld und Hain
zaubereinsam schillern;
badend hoch im Mondenschein
Mondscheinlerchen trillern.

"Lerche sprich, was singst du nur
um die Mittnachtsstunde?
Dämmer liegt auf Meer und Flur
und im Wiesengrunde."

"Will ich meinen Lobgesang
halb zu Ende bringen,
muss ich tag- und nächtelang
singen, singen, singen!"

G.Hauptmann, Hiddensee 29.Juli 1885



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