Samstag, 21. Oktober 2017

Mystisch, Meeresgrün und... Mondscheinlerchen

..all das ist Hiddensee.
Die Tagestouristen laufen (oft) daran vorbei...hasten vom Hafen an den Strand, zum Fischbrötchen-Dealer, fahren mit dem "Insel-Bus" (Pferde-Fuhrwerk) und flitzen zurück auf die Fähre...Dabei gibt es unzählige wunderschöne, verzauberte Orte, für die man etwas Muße braucht... 



Habt Ihr Lust auf einen poetischen Inselspaziergang...?
Dann mal los: Ordentlich einmummeln, die Sonne scheint aber es weht "ne steife Brise"... Lasst euch verzaubern von uralten weisen Weißdorn-Bäumen, silbrigem Licht...und im Kopf summt der olle Gerhard Hauptmann, der auch ganz verknallt in das verwunschene Eiland war und der nachts seine Gedanken an die Wand kritzelte, wenn ihn arge Schlaflosigkeit plagte... da half wohl auch sein gut bestückter Weinkeller nicht...;)


...so ist sicher auch sein Gedicht "Mondscheinlerche" auf Hiddensee entstanden....schlaflos, nachts...stetes Meeresrauschen vor dem Fenster...

Das Ferienhaus von Gerhard Hauptmann kann und sollte man besuchen - es atmet den Charme der alten Zeit, was besonders spürbar wird, wenn man abends in seinem Wohnzimmer sitzt und ein absolut umwerfendes Jazz-Konzert miterleben darf - Du meine Güte und ich dachte immer, ich mag keinen Jazz!! 
...was mögen da für wilde Partys gefeiert worden sein...früher hieß das wohl "Tanzabend" oder so... ;)


Es gibt einige kleine urige Restaurants, manche versteckt in den Dünen und wenn man dorthin findet, gibt es zur Belohnung den feinsten Fisch auf Sanddorn-Joghurt-Soße und beim Abschied gehört man fast zur Familie ... ;) Der Fisch, den ich mir NUR am Meer erlaube, stammt noch von echten Insel-Fischern und der Vater-Söhne-Restaurantbetrieb der Buhne XI ist einfach irre herzlich und man fühlt sich so wohlig-gemütlich wenn man mit wirrem Haar und roten Ohren hineingeweht wurde....das man manchmal bis "Ladenschluß" hängen bleibt ;)


Auf der Insel tickt die Zeit anders, plötzlich ist es super wichtig, dass der erste und letzte Gang des Tages dem Strand gilt (einfach mal schauen, ob es noch da ist - das Wasser...ja, ist noch da! Und der Strand, die Möwen und die Steine?... Auch noch da!) 


Über Nacht halten die Steine kleine geheime Versammlungen ab...wahrscheinlich gibt es einen Konflikt mit den Herzmuscheln...Ich habe die Stein-Familie genauso gefunden!

Vor unserer Ferienwohnung zauberte der Herbst wunderschöne Farben in den Wein...von rosa, rot bis meeresgrün...diese Herbststimmung im Oktober ist ganz besonders, da hängt die Wärme am seidenen Faden und ich freue mich über jeden Sonnenstrahl.


Lasst uns nochmal an den Strand...die Sonne steht tief - im Viertelstunden-Takt wechseln Lichtstimmungen und Farben. Um die Mittagszeit war das Meer blau und grün...langsam wird es silbergrau... 


Ich wollte eigentlich auch Sanddorn pflücken (und lerne, dass man Sanddorn "melkt") - komme aber irgendwie nicht dazu, weil ich lieber noch eine Stunde den Wellen zuschaue oder das Insel-Theater besuche oder beim Asta-Nielsen-Haus vorbeischaue oder den Segelbooten hinterherträume...es gibt soviel zu tun! 


Gut, dass man überall heißen Sanddornsaft bekommt...Fisch auf Sanddorn-Joghurt..."Sanddorn-Torte mit ganzen Früchten" oder kleine selbstgebastelte Stände vor den Häusern der Hiddenseer Mädels schon fertige Sanddornmarmelade anbieten...da hab ich mich durch alle Variationen geschlemmt ;) Und Marmelade gegen den Winter-Blues mitgenommen.

Über der Tür der alten Kirche in Kloster steht ein wunderbarer Spruch: "Was ich noch sagen wollte - wenn ich dir einen Tip geben darf - ich meine - ich bitte dich um alles in der Welt - und wider besseren Wissen - halte dich nicht schadlos - zieh den Kürzeren - lass dir etwas entgehen." (E. Zeller)



So ist das hier an vielen Ecken...man gerät ins Staunen und Nachdenken und Träumen und fällt am Abend Wind- und Sonnensatt in die Federn. Die Insel hat etwas seeehr Entspanntes...da werde selbst ich irgendwann gaaanz tiefenentspannt.


Auch wenn mir einige Einheimische dringend abraten: Ich würde irgendwann gern mal ein Jahr auf der Insel sein - einfach auch um den Winter zu erleben. "Romantische Spinnerrei..." jaaa, aber trotzdem! 


Ich wünsche Euch ein Wochenende voller Magie und Poesie
Alles Liebe, Eure




Und für alle Feingeister kommt hier noch mal das Hauptmann Gedicht in voller Länge und Schönheit:

Von dem Lager heb` ich sacht
meine müden Glieder;
eine warme Sommernacht
draußen stärkt sie wieder.

Mondschein liegt um Meer und Land
dämmerig gebreitet;
in den weißen Dünensand
Well´auf Welle gleitet.

Unaufhörlich bläst das Meer
eherne Posaunen;
Roggenfelder, segenschwer,
leise wogend raunen

Wiesenfläche, Feld und Hain
zaubereinsam schillern;
badend hoch im Mondenschein
Mondscheinlerchen trillern.

"Lerche sprich, was singst du nur
um die Mittnachtsstunde?
Dämmer liegt auf Meer und Flur
und im Wiesengrunde."

"Will ich meinen Lobgesang
halb zu Ende bringen,
muss ich tag- und nächtelang
singen, singen, singen!"

G.Hauptmann, Hiddensee 29.Juli 1885



Sonntag, 17. September 2017

Wo die wilden Brom und Holllunder-Bären hausen...

Der Herbst hat sich in sein sonniges Kleid geworfen und mich vom gemütlichen Frühstückstisch weggelockt... "Komm in den Wald...komm auf die Wiese..." hat´s gerufen. Und wenn mich Hafer und die inneren Hummeln stechen, dann muss ich so einem Ruf doch folgen.
Meine Nachbarn mähen Rasen, putzen Fenster, rüsten zum Grillen und schieben die Sonnenliegen in Position...man könnte soo schön zu Hause bleiben und es ihnen gleich tun. Nix da! Wenn Wald und B(ä)eeren rufen, dann schnür ich meine Schuh...


Und schau her ...es waren gerade wieder viele Brombeeren nachgereift...und niemand hat´s gesehen:)))
Die wehrhaft stolze Schöne macht es nicht mir nicht gerade leicht...ständig hängen mir die unnachgiebigen Ranken von Frau Brombeer in den Haaren oder halten mich mit spitzen Dornen an beiden Ärmeln fest, so dass ich meine Hände nicht mehr aus dem Busch bekomme...Irgendwie so ähnlich müssen sich die Prinzen in der Dornröschen-Hecke gefühlt haben. Wenn ich nicht ständig in Bewegung bliebe, würde sie sicher um mich rum wachsen...aber da ich besänftigend auf sie einrede, gibt sie mich immer wieder frei ;)


"Eine nasch ich...nach der anderen schau ich...die nächste wandert ins Körbchen..." mit dem Mantra hatte ich bald ein gutes Kilo Bären ähh Beeren im Körbchen und mir stand voller Sammelwut der Sinn nach ein paar mystischen Holler-Beeren für den nahenden Winter.


Weil ich ganz in Gedanken über das Märchen der Frau Holle sinnierte (ihr wisst schon, Pechmarie und Goldmarie, die in den Brunnen springen...) Frau Holle als Göttin Holla, die im Hollerbusch wohnt, pflanzte sich mir unbewusst so sehr der Name Holle ein, dass ich ihn dann auch auf meinem fertigen (Wintermedizin)saft wieder fand ;) Huiii! Hollunder!! Dabei weiß ich natürlich, dass Holunder, mit EINEM "L" geschrieben wird... naja, ein bisschen benebelt die Herstellung von Holundersaft die Sinne schon...ist ja roh noch ein bisserl giftig...und ich liebe die "gute alte Handarbeit" ohne High-Tech-Küchenmaschine.


Also gab es von meiner Ausbeute: Hollundersaft und Brombeer-Marmelade mit nix und wenig Zucker...so schmeckt es pur nach Wiese und Herbstsonne und Herbst.

Nach dem ich so erfolgreich die wilden Beeren erbeutet hatte (ein paar Schrammen und Kratzer auf den Händen zählen nicht) wagte ich noch einen Abstecher in den nahen Wald...(Hab ich euch eigentlich schonmal die Geschichte erzählt, dass ich dort vor einigen Jahren einen Löwen sah...?)
Daher geh ich seitdem lieber auf die "löwenfreie" Seite. Und wie es einschlägige Naturbücher und Waldläufer raten "verbinde ich mich mit dem Wald". (Sonst läuft man nur durchs Grün und sieht nichts...) Ich setz mich also andächtig ins Moos und begrüße den Wald und frage, ob ich ein paar Pilze haben darf...im Kopf hatte ich "...so um die fünf Stück, wär gut"....was soll ich sagen, der Wald schenkte mir 6 Pilze, davon waren mindestens zwei Steinpilze sicher gerade genau in dem Augenblick vor mir aus dem Moos gewachsen...Mini-Baby-Steinpilze!! Die sieht man nur, wenn man quasi schon davor kniet...


Von den Pilzen gibts kein Foto...zum Wald-Meditieren geh ich immer ohne Kamera ...das hätte mich zu sehr vom "Pilze-Finden" abgelenkt ;) Alle Pilze sind am Abend sehr bereichernd in der leckeren Maronie-Champignon-Waldpilz- Pfanne gelandet. Sehr fein! (Mr.Urban White gings leider schon vorher schlecht...das kann also nur besser werden ;)

Hach, so ein wonniger Spätsommer-Herbstsonnentag ist einfach unbezahlbar an Farben, Gerüchen und Geschmack - ich finde solche Tage meist noch schöner als "Hochsommer-Tage" (aber davon hatten wir dies Jahr auch nicht viele...) Und wunderbar, dass ich an Winter-Sonntagen mir lecker Brombeer-Marmelade aufs warme Brötchen kleckse...hmmm!!


Ich hoffe, Ihr hattet ein ebenso feines Wochenende. Einige von Euch haben ja auch Hummeln im Hintern und waren sicher in Feld und Wald oder sonstwo unterwegs ;))

Ich wünsche Euch einen lichten Herbst, voll samtig weicher Sonne und frischer Herbstluft! 


Liebste Grüße
Eure





Freitag, 11. August 2017

Süchtig nach...Meer

Stellt Euch vor Ihr habt Urlaub...und es regnet...Juhu!! Wir hatten eine Radfahr-Woche auf Rügen geplant.
Schnell noch die nächste Gewitterlücke abgepasst, aufs Rad geschwungen - ab zum Bahnhof, schwups rein in den Regio und an der Küste wieder rausgepurzelt...und: Abrakadabra: Der freche Küstenwind hatte alle Regenfronten Richtung Festland gepustet. Aufatmen! Fischbrötchen (für Mr. Urban White) zur Einstimmung und auf der Rügenbrücke im Kopf "On the Road again..." angestimmt ;))


Wir hatten vor, diesmal gegen den Uhrzeigersinn die Insel zu erkunden...vor einigen Jahren waren wir ja schon mal "links rum" auf der Insel unterwegs. Dabei waren uns wieder die kleinen versteckten Dörfer lieber als die mondänen Seebäder... Am ersten Abend fielen wir in einer ländlichen Pension ins Bett...wunderschön umgeben von Koppeln, Wiesen und Ruhe, die so tief ist, dass man als Großstädterin in der ersten Nacht kaum schläft. Und dann machen die Vögel ab 4 Uhr morgens soo einen Krach...boahh!!  Ich wollte gerade in meine erste Tiefschlafphase!!!


Jeden Tag einfach weiterradeln...die Gedanken fliegen davon, die Sorgen sind schon längst abgehängt... im "Hier und Jetzt Sein" ist nicht länger reine Theorie...
Da Ferienzeit war, hatten wir unsere "Schlafplätze" (mal einfach mal chic) vorgebucht...aber dennoch hatten es einen Hauch von "Einfach treiben lassen"... Unser zweiter Unterschlupf war das sehr ehrwürdige und alte Badehaus Gohr in Lauterbach (da stiegen schon russische Prinzessinnen ab ;))

Unsere Räder parkten standesgemäß in der Tiefgarage neben dem Porsche...während wir unsere müden Radler-Waden in der Sauna verwöhnten. Der Blick vom Hotel (Glas Prosecco in der Hand) ging auf einen weiteren Ort der Begierde... mal in sooo einem Stelzenhaus den Jahreswechsel erleben...das wäre doch was!!?   



Am nächsten Morgen verflogen die überkandidelten Übermut-Wünsche und es war einfach nur gut und heilsam ins Grün und Meer einzutauchen...und da uns kaum andere Radler auf dem Rügenrundweg entgegenkamen... hatte man alle Zeit der Welt, sich ausgiebig satt zu sehen. Was für Aussichten: auf den silbrigen Strelasund, auf einsame alte Höfe...die mir ganz dänisch anmuteten, vorbei an üppigen Blumenwiesen, wachhabenden Gänsen, schiefen Fachwerkkaten...herrlich!!! Man konnte sich tagsüber schon in einen herrlichen Rausch kucken...und jeden Tag hat´s morgens schon in den Füßen gekribbelt:  Was der Weg wohl heute bereit hält ? 


Obwohl in allen Teilen Deutschlands die Regentrude Überstunden gemacht hat, hatten wir nur einen Tag fiesen Regen...danach war das Meer neblig-silbern und wunderschön und der Himmel veranstaltet großes Theater...

Da konnten wir nur andächtig im Sand sitzen und staunen...und einige Hippies (die es auch heute scheinbar noch gibt) mit kleinen improvisierten Zelten und Hängematten am Strand veranstalteten für das Himmel-Theater das ein oder andere Rauchopfer...  Was für eine entspannte Insel ;))

Ich hätte gern noch eine weitere Woche drangehängt (zumal das Wetter auf der Insel eindeutig besser war und zu Hause nur das Handwerker-Chaos wartete...) NATÜRLICH brauchen Handwerker mindestens 2 Wochen länger als angekündigt....wie konnte ich das vergessen?? 

Ja, und ein paar begehrenswerte alte "Damen" in Form von Häusern standen auch am Wegesrand...es gäbe noch sooooo viel zu entdecken, wenn man sich fein brav fern von den Touristen-Hot-Spots hält. 

Mein Ostsee-Insel-Radfahr-Fazit (wie bei allen Süchtigen): Ich spür schon Entzugserscheinungen, wenn ich noch da bin...aber der letzte Tag angebrochen ist. Da werde ich innerlich ein bisserl "stachlig" ;))  Da hilft auch kein Eis mehr...auch kein Streuselkuchen...nix!

Hallo liebes Universum: Nur mal so als Inspiration!! (Was muss ich eigentlich tun, um soo ein kleines feines Häuschen zu haben??? )


Mal bloß gut, dass wir nächstes Wochenende wieder am Meer sind!! Hach...Vorfreude ist auch 
...ganz schön ;))

Ich hoffe, Ihr habt auch feine Urlaubszeiten gehabt und das "Neben-der-Zeit-sein" genossen. 


Mal sehen was das "Überraschungs-Ei" Sommer noch so im Angebot hat. Ich wünsche Euch Tage voller Übermut und Genuß, laue Nächte und Sternenhimmel überm Lagerfeuer ;))


Eure









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